Neugier als Treibstoff für Innovation

Ohne Neugier ist Innovation kaum denkbar - Foto: Thinkstock

Der Ruf nach Innovationen in der deutschen Wirtschaft ist lauter denn je: Innovationsbudgets werden erhöht, Manager ins Silicon Valley geschickt, Innovation Labs aus dem Boden gestampft. Als zentraler Treiber gilt die Digitalisierung, an der kein Unternehmen mehr vorbei kommt und die auch die Unternehmenskommunikation in hohem Maße umtreibt. Welche Rahmenbedingungen brauchen wir, um Innovationen möglich zu machen und der deutschen Zukunftsangst zu begegnen? Dazu lieferte mir der WorkDay „Neugiermanagement“ der Zukunftsinstitut Workshop GmbH spannende Impulse.

Mut zu Neuem stärken

Das Unternehmen 3M gehört zu den innovativsten Unternehmen der Welt. Stephan Rahn, Manager Corporate Innovation Marketing, reduziert seine Herangehensweise auf drei wesentliche Elemente: Wissen, Methodik und Bereitschaft. Das Wissen über Kundenbedürfnisse und neue Märkte ist neben der Kompetenz, Innovationsprozesse zu managen, zwar wichtig – unverzichtbar sei aber die Bereitschaft der Mitarbeiter: „Innovativ kann ein Unternehmen nur sein, wenn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Neuerungsdrang spüren: Nie auf Erreichtem ausruhen – sondern immer nach der Verbesserung suchen. Das benötigt eine Atmosphäre, eine Kultur, die genau diesen Innovationsdrang dauerhaft stärkt – eine Atmosphäre ‚kreativer Unruhe’.“

Neugierde wecken

In der Neugier-Forschung gab es in den letzten 15 Jahren einen „emotional return“: Man fand heraus, dass Lernen ein in hohem Maße emotionaler Vorgang ist, der von Neugier und Interesse geprägt ist. Wir beurteilen neue Ideen zum Beispiel danach, ob wir uns ihnen gewachsen fühlen. Das Neue allein weckt keine Neugierde. Es darf nicht zu komplex sein, sondern muss vielmehr an etwas Bekanntes anknüpfen, um als handhabbar bewertet zu werden. Im Unternehmenskontext bedeutet das: Wenn eine Veränderung kommuniziert wird, muss die Brücke zum Bestehenden geschlagen werden. Ansonsten fühlen sich Mitarbeiter von neuen Ideen überfordert und die Neugierde wird nicht geweckt.

Neugierige finden und fördern

Wer Innovationen in der Unternehmenskommunikation voranbringen will, braucht neugierige Mitarbeiter. Denn: Neugierige brechen freiwillig mit Routinen, lieben lebenslanges Lernen und bringen die besseren Ergebnisse. Doch wie findet man sie? Zum Beispiel mit dem Neugier-Test, den Dr. Patrick Mussel von der Universität Würzburg entwickelt hat und der den sogenannten „Neugier-Quotient“ eines Mitarbeiters mithilfe von zehn Fragen valide bestimmt. Um die Neugier am Leben zu halten, sind der Studie „Neugier-Management“ zufolge drei Faktoren wesentlich: Autonomie, Kompetenz und Bezug. Neugierige Mitarbeiter fühlen sich am wohlsten, wenn sie Wahlmöglichkeiten und Freiheiten haben – Kontrolle und Überwachung wirken gegenläufig. Außerdem müssen die Aufgaben zum Kompetenzniveau des Einzelnen passen, damit sie weder über- noch unterfordert sind. Steht die Aufgabe dann auch noch im Bezug zu etwas großen Ganzen, das Sinn vermittelt und einen Mehrwert erzeugt, ist der kulturelle Nährboden für Neugier und Innovation geschaffen.