Fokus Digitalisierung – Eindrücke vom „Content Strategy Camp ’15“

Eröffnung des Content Strategy Camps 2015 | Foto: Jens Cornelißen„Content Strategy“ – einer der Bäume, der im Buzzword-Wald von Kommunikation und Marketing in letzter Zeit am schnellsten gewachsen ist und die meisten Verästelungen bekommen hat. Dementsprechend diskutierten die Teilnehmer des dritten „Content Strategy Camp“ (#cosca15) an der Hochschule Darmstadt Mitte Juni einen bunten Themen-Strauß. Für mich zog sich dabei ein roter Faden durch sämtliche Gespräche und Vorträge: die digitale Transformation der Kommunikation.

„Sessions“ statt Keynotes, Spontaneität statt Struktur, T-Shirt statt Anzug. Ein Barcamp ist eine inhaltlich offene Konferenz mit lockerem Charakter. Es gibt zwar ein grobes Oberthema (in diesem Fall Content Strategie), inhaltlich wird die Veranstaltung aber von den Teilnehmern gestaltet. Session-Vorschläge werden zu Beginn des Camps präsentiert und je nach Interesse der Teilnehmer ausgewählt. Schon bei diesem „Session Pitch“ war klar, dass die digitale Transformation für die Teilnehmer aktuell eine der größten Herausforderungen für Kommunikation und Marketing ist.

Erst das Unternehmen verstehen, dann Veränderungen anstoßen

Wie können wir Kommunikatoren es schaffen, das Management vom Handlungsdruck zu überzeugen, den die Digitalisierung auslöst, bevor sie ein Unternehmen überrollt? Mit dieser Frage stieß Sylvia Ewerling eine spannende Diskussion an: „Da wird häufig ein persönliches Relevanz-Set angelegt – wenn Manager Themen wie Social Media selbst nicht spannend finden, finden Sie es für die Organisation auch nicht spannend.“ Uns Kommunikatoren gelingt es zu selten, in das Relevanz-Set vorzudringen. Die Frage ist: Warum nicht? In einer lebendigen Debatte kamen wir zu dem Punkt, dass Kommunikatoren sich zu wenig damit auseinandersetzen, welche Strategie das Management verfolgt. Statt einem Geschäftsführer Buzzword-gespickte Content Strategien auf den Tisch zu legen, sollten wir zunächst herausfinden, welche Ziele er verfolgt und unsere Konzepte dann in sein Zielsystem einpassen. Wenn wir ihm dabei helfen, seine Ziele zu erreichen, werden unsere Themen auch relevant für ihn.

Visuelle Kommunikation auf dem Vormarsch

Graphic Recording meiner Storytelling-Session von Bettina Schöbitz (@schoebitz) | Foto: Jens CornelißenBei meiner eigenen Session zum Thema „Storytelling zwischen Buzzword und Patentrezept“ haben wir die Potenziale von Geschichten für die Unternehmenskommunikation diskutiert. Die Digitalisierung verkürzt unsere Aufmerksamkeitsspannen und treibt unseren Hunger nach Bildern und Videos. Zudem hat unser Gehirn die Verarbeitung und Erinnerung von Geschichten im Verlauf der Menschheitsgeschichte perfektioniert. Insofern könnte Storytelling aktuell kaum eine höhere Relevanz haben. Bettina Schöbitz kommentierte das in ihrer eigenen Session mit dem Titel „Mal mal“ mit dem schönen Satz: „Unser Bilder-Gehirn ist über 100 Millionen Jahre alt, unser Sprach-Gehirn erst 100.000.“

 Daimler Blog: 700 Autoren und 3 Beiträge pro Woche

Uwe Knaus bei der Präsentation des Daimler Corporate Blogs | Foto: Jens CornelißenZum Abschluss habe ich mir noch die Präsentation eines Benchmarks aus dem Bereich Corporate Blogging angeschaut: Das Daimler-Blog, vorgestellt von Uwe Knaus. Das Besondere ist, dass die Daimler-Mitarbeiter 95 Prozent der Beiträge schreiben, die durch die Unternehmenskommunikation lediglich mit Blick auf Grammatik und Satzbau redigiert werden. Inhaltlich gibt der Autor das „Go“ zur Freigabe – nicht etwa sein Vorgesetzter. Die Unternehmenskommunikation betreibt dafür ein strukturiertes Themen-Management und ordnet jeden Beitrag einem strategischen Unternehmensziel zu.