Out of Office, New Work & Co.: Arbeit neu erfinden

New Work | Bilder: https://www.pexels.com/

Vor einigen Jahren stand das Buzzword „Enterprise 2.0“ hoch im Kurs: Arbeit sollte mithilfe digitaler Technologien effizienter gestaltet werden. Heute diskutieren wir, wie sich die Arbeit selbst transformieren lässt. Dabei geht es nicht nur darum, was wir als Arbeit verstehen – sondern vor allem um das wie: wie wir zusammenarbeiten und wie es uns gelingt, verschiedene Gestaltungselemente aufeinander abzustimmen. Kommunikation kommt in diesem Wandlungsprozess eine entscheidende Rolle zu. 

„Wissensarbeiter produktiver zu machen, ist die große Aufgabe dieses Jahrhunderts!“

Bereits 1968 hat sich der Managementforscher Peter Drucker mit dem Phänomen befasst, dass „Wissensarbeit“ einen immer größeren Anteil einnehmen und manuelle Arbeit hingegen mehr und mehr durch sie ersetzt werde. Bis 2020 erwartet die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA), dass der Anteil der Wissensarbeiter von rund 60 Prozent aktuell auf 85 Prozent aller Erwerbstätigen steigt. Aber was ist Wissensarbeit eigentlich? Sie umfasst laut Sybille Hermann „die Bewältigung von Aufgaben, die zumindest für die betreffende Person so komplex oder neuartig sind, dass ihre Erfahrungen nicht ausreichen, um zu dem erwünschten Ergebnis zu kommen“. Für die Lösung einer Aufgabe muss daher immer neues Wissen erworben werden – das allerdings nicht immer direkt verfügbar ist. Außerdem wird nach Dieter Spath vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) Wissensarbeit „immer mehr in übergreifenden Teams erbracht“. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an Prozesse, Steuerung, Büroräume und Führung.

Aaron Levie

Quelle: Twitter

Seit Druckers Feststellung sind fast 50 Jahre vergangen – und das Zitat ist immer noch aktuell. Längst ist klar geworden, dass digitale Technologien (z.B. Cloud-Services, Austausch-Plattformen für Teamarbeit) komplexe Arbeit zwar erleichtern, die weitreichenderen Fragen aber nicht lösen können. Neben dem Einsatz neuer Tools müssen zwei wesentliche Elemente von Arbeit neu konzipiert werden: die Räume, in denen wir arbeiten, und das Verhalten der Menschen, die in ihnen arbeiten. Denn „der Wandel in den Köpfen ist spannender als alle neue Technologie“, so die Organisationsforscherin Isabell Welpe.

Wie sich Menschen, Orte und Technologien weiterentwickeln

Zukünftig werden Führungskräfte immer weniger die Aufgaben haben, Mitarbeitern etwas vorzuschreiben oder sie gar zu erziehen. Viel wichtiger wird die Fähigkeit, die Mitarbeiter in ihrer Zielerreichung zu coachen – wofür wiederum maximale Empathie und menschliche Nähe notwendig ist. In ihrem Buch „Out of Office“ formulieren Elke Frank und Thorsten Hübsch die Maxime „‘Ich vertraue meinen Mitarbeitern. Ich bin überzeugt, dass sie wissen, was richtig ist‘ – das wird die unternehmerische Grundhaltung der nächsten Jahre.“ Mit einer zunehmenden Selbstorganisation verliert damit die zeit- und ortsgebundene Arbeit an Bedeutung.

Zum einen erfüllen Büroräume damit nicht mehr den Zweck, zu kontrollieren, dass alle fleißig arbeiten (was aus Sicht von Frank und Hübschen ohnehin illusorisch sei). Vielmehr muss Büroarchitektur eine einfache, aber intensive Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern fördern. In der neuen Microsoft-Zentrale gibt es daher beispielsweise eigene „Share and Discuss“-Bereiche. Und die Führungskräfte sitzen mit ihrem Team im Open Space, berichtet Elke Frank. „Wenn wir immer mehr in virtuellen Welten leben, brauchen wir einen Ausgleich des Digitalen im Realen mit Kollegen aus Fleisch und Blut“, schätzt Wilhelm Bauer, Institutsleiter am Fraunhofer IAO, die Entwicklung ein. Technologien, wie Videotelefonie- und Cloud-Services, ermöglichen dann zwar eine zeit- und ortsunabhängige Arbeit, sie müsse aber durch „echte“ Treffen ergänzt werden: in Räumen, die den Anforderungen an Kollaboration besser gerecht werden als starre Meetingräume mit großen Konferenztischen. Ein weiterer zentraler Aspekt ist daher die Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern: der gewonnene Freiraum erfordert engmaschige Zielvereinbarungen mit Mitarbeitern und „andere Führungsantennen“: Man müsse seine Mitarbeiter gut kennen, um über Distanz mit ihnen zusammenzuarbeiten, so Frank.

Worauf es zukünftig bei der Arbeit ankommt

Wenn Präsenz nicht mehr zählt, geht es vor allem um Ergebnisse. Und wenn Wissen und dessen Austausch immer wichtiger werden, um gute Ergebnisse zu erzielen, gilt es, genau diesen Wissenstransfer zu fördern. Daher verwundert es nicht, dass laut einer Studie von Haufe fehlendes Wissen zum stärksten Motivationskiller in Unternehmen zählt. Aktuell geben demnach 46 Prozent der Mitarbeiter ihr Wissen nicht weiter – sie bauen Grenzen auf und behindern damit die Zusammenarbeit. Die Teilhabe an Wissen ist ein erster Schritt in Richtung einer neuen Arbeitskultur, finden Frank und Hübschen: „Offenheit lädt zu Offenheit ein.“

Die Beispiele machen bereits deutlich: Das „Wie“ der Arbeit ist in Zukunft entscheidender als das „Was“ – die Aufgabe selbst. Ohne eine auf Vertrauen statt auf Kontrolle ausgerichtete Unternehmenskultur können Unternehmen so viele neue Räume oder Tools einrichten, wie sie wollen – die Zusammenarbeit wird sich nicht verändern.

Was kann Unternehmenskommunikation an der Stelle leisten? Aus meiner Sicht können Kommunikatoren das Thema auf unterschiedlichen Ebenen treiben: Inhaltlich, indem sie seine strategische Relevanz für ihr Unternehmen immer wieder verdeutlichen und mit Geschichten illustrieren. Taktisch, indem sie neue Räume und Tools entwickeln oder ausprobieren, und damit andere zum Nachmachen einladen. Und operativ, indem sie selbst Vorreiter sind und eine offene Kommunikationskultur vorleben, die vermittelt: „Teilen tut nicht weh!“ Wenn Kommunikatoren ihr Wissen teilen, können sie einen Anstoß zur Zusammenarbeit geben, tradierte Silo-Grenzen einreißen und maximale Offenheit demonstrieren. Warum nicht mal die persönlichen Jahresziele öffentlich machen, wie Google mit seinem OKR-Zielsystem?