Erster Webmontag in Darmstadt: Von Design Thinking, New Work und der Transformation der Lehre

Erster #wemoda in Darmstadt | Bild: @dasKerst, @wemo_daAuf der ganzen Welt vernetzen Webmontage die lokale Online-Szene. Neuester Stern am Webmontags-Himmel ist Darmstadt. Am Montag kamen in der schönen Centralstation  Gründer, Entwickler, Designer, Berater und viele weitere Mitgestalter der digitalen Transformation zusammen, um sich über aktuelle Themen und Trends zu informieren und auszutauschen.

„Design Thinking is a behaviour, not a department“

Design Thinking-Expertin Anja Fehlau von SAP | Bild: @ProfilwerkstattJeder kennt SAP. „Allerdings bekommt man ja eher selten die Gelegenheit in SAP hineinzuschauen“, wie die Moderatoren des Abends vom Verein Digitale Darmstadt e.V. hinzufügten. Beim #wemoda gab es die Gelegenheit. Seit zehn Jahren beschäftigt sich Anja Fehlau bei dem Software-Riesen mit dem Thema Design Thinking. Ein Ansatz, um innovative Lösungen für komplexe Probleme zu finden und dabei stets den Anwender in den Mittelpunkt zu stellen. Wichtig für SAP, denn „wenn man intuitive Software entwickeln möchte, muss man nicht nur aus User-Sicht denken, sondern sich mit den Usern unterhalten“, betonte Anja Fehlau. Das bedeutet zum Beispiel, Prototypes mit dem Anwender zu kreieren und zu testen – z.B. auf Post-its, aus Lego oder an beklebten und bemalten Wänden. Das aktive Ausprobieren und Experimentieren stehen beim Design Thinking im Fokus.

Paradigmen der neuen Arbeitswelt

Beim Thema New Work geht es oftmals um neue Kollaborations-Tools oder die digitale Arbeitsorganisation. Johannes Kleske, Co-Gründer der Berliner Unternehmensberatung Third Wave, klammerte den technischen Aspekt in seinem Vortrag weitestgehend aus: „Bei der Transformation der Arbeit geht es nie um die Technologie, sondern immer um die Menschen dahinter.“ Er skizzierte das Bild einer neuen digitalen Arbeiterbewegung und warf die Frage auf, ob Maschinen schon bald unsere Chefs werden könnten.

Weniger radikal kommt da die These daher, dass die Zukunft der Arbeit nicht in Hierarchien, sondern in Netzwerken liegt. Mit Bezug auf Christian Kuhna, bei adidas für Innovationen und Trends im HR-Bereich verantwortlich, warf Prof. Dr. Thomas Pleil die Frage auf, inwiefern das Ende der Silo-Denke in Konzernen und Organisationen absehbar ist. Er selbst treibt aktuell in erster Linie die Transformation der Hochschullehre voran.

Transformation der Lehre, oder: Fließendes in Gläser füllen

Vor zwei Jahren gründete Pleil den Studiengang Onlinekommunikation am Mediencampus der Hochschule Darmstadt. Als Studiengangsleiter betonte er beim Prof. Dr. Thomas Pleil präsentiert die Web Literacy Map beim ersten #wemoda | Bild: @jkleske
Webmontag, wie wichtig ihm Praxisbezug und angewandte Forschung sind. Daher ist die Web Literacy Map von Mozilla eine Grundlage des Studiengangs. Sie beschreibt „the skills and competencies needed for reading, writing, and participating on the Web”.

Wir sind begeistert von der Motivation, die digitale Transformation mit der klassischen Kommunikationslehre an Hochschulen und Universitäten zu verzahnen. Bei so viel Anwendungsorientierung fragen wir uns allerdings, inwieweit strategiebezogene Aspekte im Curriculum Platz finden. Die digitale Transformation ist sicherlich eine Frage des Mindsets und der Umsetzung, aber auch der Gestaltung von organisatorischen Strukturen und Prozessen.

Ein Format mit Potenzial

Wir finden: Das war ein absolut gelungener Auftakt des Webmontags in Darmstadt. Nicht nur die Inhalte, sondern auch die top Organisation und angeregte Atmosphäre machen Lust auf mehr!

2 Comments

  1. Thomas Pleil

    Danke für den guten Bericht! Kleine Korrektur nur: Den Studiengang Onlinekommunikation gibt es erst im zweiten Jahr, zuvor war ich im (von anderen Kollegen) gegründeten Studiengang Online-Journalismus.

    Zur aufgeworfenen Frage: Die Web Literacy Map ist die Grundlage; strategische Fragen kommen dann v.a. in den Anwendungsgebieten Online-Marketing, Online-PR und Corporate Learning vor, z.B. in Modulen wie Campaigning oder Content Stratetegy (und andere) – die Umsetzung soll dann in den Lernagenturen erprobt werden. Wir hoffen, dass dieses Konzept soweit einigermaßen aufgeht….

  2. Jens Cornelißen

    Danke für den Hinweis, der Text ist entsprechend aktualisiert.

    Das Konzept klingt sehr spannend, die Verzahnung von digitaler Transformation und Hochschullehre ist sicherlich wegweisend. Und wenn strategische Aspekte in den genannten Modulen aufgenommen werden, umso besser!

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