Neue CSR-Richtlinie: Einfluss auf Berichtslegung und Kommunikation

Green building | Foto: www.unsplash.com

Stakeholder bewerten Unternehmen zunehmend nach ihrem CSR-Engagement: Bei Studenten bestimmen soziale Faktoren die Wahl des Arbeitgebers und Millenials, insbesondere in Deutschland, erwarten von Unternehmen verantwortliches Handeln und Umweltschutz. Mit der steigenden Bedeutung von CSR werden auch Nachhaltigkeitsberichte wichtiger – und deshalb mit einer neuen CSR-Richtlinie auf EU-Ebene geregelt. Bis Ende 2016 haben die Mitgliedsstaaten Zeit für die nationale Umsetzung.

Die Richtlinie schreibt Unternehmen vor, wie sie über nicht-finanzielle Informationen und Diversität zu berichten haben. Das bezieht sich allerdings nicht auf die CSR-Kommunikation als begleitende Kommunikationsarbeit. Vielmehr soll der Nachhaltigkeitsbericht Angaben zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und der Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie zur Offenlegung von Diversitätskonzepten enthalten. Die Berichtspflicht gilt für große Unternehmen von öffentlichem Interesse. Mit der Richtlinie wird auch ein Zeichen für die Bedeutung von nachhaltiger globaler Wirtschaft gesetzt, in der „langfristige Rentabilität mit sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz verbunden wird“.

Chancen für Unternehmen

Aktuell sind Nachhaltigkeitsberichte so vielfältig wie das Engagement der Unternehmen: Sie reichen von kennzahlenlastigen und abstrakten Berichten bei Rewe und Unilever bis hin zu unterhaltsamen Infotainment-Formaten bei Coca-Cola, die sich eher für die CSR-Kommunikation eignen würden. Kritiker sind der Meinung, die Richtlinie würde – bei dem Versuch ein Mindestmaß an Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit zu etablieren – nicht nur die Kreativität in der Berichtslegung beschränken, sondern auch in der Umsetzung von CSR-Maßnahmen. Fürsprecher entgegnen, dass die CSR-Richtlinie die Vielfalt der CSR-Konzepte durchaus berücksichtigt. Was die Anforderungen an die Berichte angeht, empfiehlt die Richtlinie, sich an Standards wie dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex oder den Guidelines der Global Reporting Initiative (GRI) zu orientieren.

Die Richtlinie definiert sechs berichtspflichtige Bereiche. Wenn sich Unternehmen in einem dieser Felder nicht engagieren, müssen sie dies explizit begründen. Hier zeigt sich, dass die Richtlinie auch einen Anstoß zur Ausweitung des CSR-Engagements geben kann. Ad-hoc Veränderungen der CSR anzustreben, wäre jedoch nicht empfehlenswert, denn die Richtlinie fordert Informationen, die für „das Verständnis der Lage und Entwicklung des Unternehmens sowie der Auswirkungen seiner Tätigkeit“ notwendig sind. Deshalb sollten tragfähige Konzepte entwickelt und im Nachhaltigkeitsbericht verargumentiert werden.

Gestaltungsspielraum und Möglichkeiten zur Positionierung

Die Richtlinie sieht vor, dass nicht-finanzielle Informationen im Geschäftsbericht oder in einem gesonderten Bericht veröffentlicht werden. Unternehmen mit besonderem Fokus auf CSR können sich somit vom Wettbewerb abheben. Mit der Anzahl der CSR-Aktivitäten steigt dabei die Herausforderung der Informationsauswahl. Grundsätzlich ist bei der Berichtslegung darauf zu achten, Informationen stakeholderspezifisch aufzubereiten. Einen Investor interessieren tendenziell Energieverbrauch und ‑effizienz, wohingegen Anrainer sich über lokales Engagement informieren. Nur so können Unternehmen die  Ziele der CSR-Richtlinie, Übersicht und Einordnung zu bieten, erfüllen.

Die begleitende CSR-Kommunikation hingegen kann weit über den Bericht hinausgehen und auf anderen Kanälen stattfinden: „Selbstverständlich berichten wir nach den globalen Standards und die harten Fakten lassen sich beispielsweise im Nachhaltigkeitsbericht und auf der Webseite nachlesen. Aber in unserer Kommunikation soll vielmehr ein Funke überspringen und das funktioniert nun einmal besser mit Geschichten als mit einem staubtrockenen Bericht“, so Jens Wichtermann, seit 2011 Direktor Unternehmenskommunikation, Nachhaltigkeitsmanagement & Politik der Vaillant-Gruppe.