Es war einmal das Intranet

Social Intranet heißt Vernetzung und Kollaboration | Bild: Freepik, http://de.freepik.com/fotos-vektoren-kostenlos/infografik

Das Intranet zählt zu den klassischen Kanälen der internen Kommunikation. Es soll die Mitarbeiter informieren, ihnen Orientierung in der Organisation geben und ihren Arbeitsalltag erleichtern. Aktuelle Studien zeigen allerdings, dass viele Intranets diese Ziele aus Sicht der Mitarbeiter verfehlen. Alternativ sind interne Social-Media-Plattformen momentan in aller Munde. Hat das klassische Intranet ausgedient?

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens NetFed finden 60 Prozent der Intranetnutzer Informationen gar nicht oder nur zufällig. Jeder 10. Nutzer hält das Intranet sogar für vollkommen nutzlos. Das liegt zunächst einmal daran, dass der Intranetpflege häufig wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Neue Informationen werden zwar permanent eingestellt, aber nicht strukturiert und aufgeräumt. So entwickelt sich ein Datenchaos, das mehr verwirrt als orientiert. „Wenn dem Intranet nur halb so viel Aufmerksamkeit geschenkt würde wie der öffentlichen Website, wären die meisten Probleme schon gelöst“, meint Lutz Hirsch, Geschäftsführer der Intranet-Agentur Hirschtec.

Das Internet rennt, das Intranet kriecht

Ein anderes Problem liegt darin, dass die Intranets deutscher Unternehmen größtenteils nicht mit dem Innovationstempo des Internets mithalten können. Suchfunktionen sind mit Google nicht vergleichbar, Fotos und Videos häufig eine Rarität und auch Möglichkeiten für Dialog und Austausch sind – sofern überhaupt vorhanden – in der Regel begrenzt und längst nicht so komfortabel wie auf Facebook oder Twitter.

„Wenn Sie den Mitarbeitern diese Strukturen nicht im Unternehmen anbieten, suchen sie sich externe Angebote zum Austausch“, berichtete Carsten Tilger, Head of Corporate Communications and Public Affairs bei der Henkel AG, beim letzten DPRG-Meeting des Arbeitskreises Kommunikationssteuerung und Wertschöpfung. Vor der Einführung des Social Intranets mit Kommentar-, Dialog- und Kollaborationsfunktionen gab es auch bei Henkel keine Plattformen für schnellen, digitalen Austausch. Daher hatten Außendienstler des Unternehmens eine Facebook-Gruppe zum Erfahrungsaustausch gegründet. Die darin veröffentlichten Informationen waren dann aber im Besitz von Facebook und Gruppenmitgliedern natürlich auch dann noch zugänglich, wenn sie schon das Unternehmen verlassen hatten. „Da ist es besser, wenn sich die Mitarbeiter über unternehmenseigene Tools austauschen können“, verdeutlichte Tilger.

Heilsbringer Social Intranet?

Neben Henkel setzen immer mehr Konzerne auf Social Intranets. Bosch oder BASF sind zwei weitere prominente Beispiele. Laut der Studie des IT-Beratungsunternehmens IDC wird sich der Markt für Social-Enterprise-Lösungen in Deutschland bis zum Jahr 2017 vervierfachen.

Netzwerken am Arbeitsplatz? Eindeutig erwünscht im Telekom Social Network | Bild: Telekom Blog, http://blog.telekom.com/2013/02/19/eindeutig-erwuenscht-soziales-netzwerken-am-arbeitsplatz/Dabei steht neben der Informationsvermittlung vor allem die kollaborative Zusammenarbeit im Vordergrund. Besonders ernst meint es hiermit die Deutsche Telekom AG, die das klassische Intranet offline gestellt hat und sich voll auf das „Telekom Social Network“ konzentriert. Die Weichen sind damit klar auf Social Collaboration, transparenten Austausch und agile Zusammenarbeit gestellt.

R.I.P. Intranet?

Wie bei den meisten innovativen Medien und Kanälen, wird auch das Social Intranet das klassische Intranet (vorerst) nicht vollständig verdrängen. Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und digitaler Austausch sind für die meisten Konzerne tiefgreifende Veränderungen, die kulturell begleitet werden müssen. Durch die Einführung einer neuen technischen Plattform allein wird sich dieser Wandel nicht einstellen.

Um die Erfolgsaussichten eines Social Intranets zu steigern, ist eine Übergangszeit ratsam. Hier kann das klassische Intranet entlang einer Roadmap Schritt für Schritt um soziale und kollaborative Funktionen  angereichert werden. Dabei ist internes Projektmarketing nicht zu unterschätzen, denn jeder einzelne Mitarbeiter muss verstehen, was es ihm in seinem Arbeitsalltag bringt, wenn er sich auf die neuen Möglichkeiten einlässt. Ansonsten könnte dem Social Intranet, wenn der Hype vorbei ist, dasselbe Schicksal drohen wie seinem Vorgänger.

3 Comments

  1. Manuela Nikui

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Das wichtigste beim Aufbau eines Intranets ist es, die Mitarbeiter einzubinden. Das Intranet darf kein Projekt ausschließlich der Kommunikationsabteilung sein. Die Kollaboration beginnt schon bei der Auswahl der Plattform. Lasst die Kolleginnen und Kollegen an der Struktur und den Inhalten mitarbeiten, das Konzept mit gestalten. Das motiviert – und macht die Plattform zu einem viel genutzten Tool.

    • Jan-Helge Weimann

      Das ist ein guter Punkt! Planung und Konzeption eines Social Intranets sind unserem Beitrag, in dem wir den eingerichteten Kanal betrachten, quasi vorgelagert. Wenn man es mit Dialog und Kollaboration ernst meint, sollten die Mitarbeiter dabei auf jeden Fall eingebunden werden.

  2. Sven Krämer

    Das Intranet wurde in meiner Firma damals vollständig ignoriert. Es war vorhanden, es standen einige Infos drin, aber die letzten Infos waren von 2008 (von 2015 aus gesehen).

    Man hat den Aufbau eines Wikis nachgedacht, was auch einige Abteilungen gemacht haben, aber man hat nur einige Leute dafür auserwählt (was immer noch sehr üblich ist), daran sich zu beteiligen. Alle andere hat man außen vorgelassen.

    (PS: Nicht einmal die Webseite im „richtigen“ Internet ist aktuell).

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