Alle bereit? Mitarbeiter in der digitalen Transformation

Mitarbeiter-Befähigung in der Digitalisierung | Bild: www.pixabay.com

Die digitale Transformation setzt nicht nur Top-Manager unter Druck. Auch die Mitarbeiter müssen diese Entwicklung mittragen und sind dabei ein erfolgskritischer Faktor. Neue Plattformen, Strukturen, Prozesse und Arbeitsformen erhalten mit der Digitalisierung Einzug. Viele Mitarbeiter fühlen sich davon überfordert und nicht in den Wandel des Unternehmens integriert. Wie können sie an Bord geholt werden?

Die digitale Arbeitswelt besteht auf der einen Seite aus technologischen Neuerungen (Tools und Plattformen). Parallel dazu sind neue Arbeitsweisen entstanden, die enorme Anforderungen an Mitarbeiter stellen. Sie sind aufgefordert in häufig wechselnden Teams zu arbeiten und immer wieder neue Technologien wie Projektmanagementsoftware, Cloud-Services, Collaboration-Plattformen und Social Intranets zu nutzen. Der Arbeitsalltag wird dabei projektbasiert und flexibel gestaltet.

Anforderungen führen zu Überforderung

Doch dahinter steckt noch mehr: Es geht vor allem darum, das Denken und Handeln zu verändern. Das haben bisher die wenigsten Unternehmen verstanden. Die Studie „Digitale Agenda 2020 – Human Resources“ von CSC zeigt, dass viele Arbeitnehmer die Weiterbildungsangebote des eigenen Unternehmens im Bereich digitale Transformation lediglich als befriedigend oder gar schlecht bewerten. Sie sollten sich, so die Befragten, viel stärker an den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter orientieren. Zudem betrachten mehr als 60 Prozent die Unternehmenskultur kritisch, weil Innovationen nicht ausreichend gefördert würden.

„Viele Menschen merken, dass sich an allen Ecken und Enden grundlegend etwas verändert. Sie spüren, dass sie mit den alten Mustern, in denen es auf Einzelleistungen ankommt, nicht mehr bestehen können. Der Versuch, mit diesen alten Denk- und Handlungsmustern im heutigen Arbeitsleben klar zu kommen, führt immer häufiger zu Phänomenen wie Burnout oder ähnlichen Überlastungserscheinungen“, konstatiert Ulrich Weinberg, Leiter der School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam.

Mitarbeiter brauchen spezifische Fähigkeiten

Dabei empfinden die meisten Mitarbeiter die Digitalisierung prinzipiell als Chance. Das zeigt eine Studie von Ernst & Young. Sie erhoffen sich mehr Abwechslung in den Arbeitsinhalten und flexiblere Arbeitszeiten. Die Mitarbeiter scheinen gewillt zu sein, die digitale Transformation des Unternehmens mitzugestalten. Doch welche Fähigkeiten benötigen sie dafür? Ein digitales Kompetenzmodell benennt die so genannten „SMAC-Fertigkeiten“:

  1. Social: Soziale Fähigkeiten als Basis für Kooperationen
  2. Mobile: Technologische Fähigkeiten zur Nutzung digitaler Tools und Plattformen
  3. Analytical: Analytisches Denken zur Bewältigung der Informationsflut
  4. Creative: Kreativität für innovative Lösungen

Neben diesen Kompetenzen ist es vor allem Wissen, das im Unternehmen vermittelt und etabliert werden muss. Die Mitarbeiter wollen wissen, wie und warum sie etwas tun sollen. Unsicherheit führt zu Verweigerung. Folgende Fragen stehen im Fokus: Welche Regeln sollen beachtet werden? Welches Ziel wird mit den neuen Plattformen und Prozessen verfolgt? Welche Strategie verfolgt das Unternehmen? Welche Rolle spielen dabei die Mitarbeiter?

Unternehmenskommunikation als Treiber

Hier kann die Unternehmenskommunikation einen wertvollen Beitrag leisten, indem der Nutzen der digitalen Transformation für das Unternehmen und die Mitarbeiter immer wieder herausgearbeitet und beschrieben wird. Dazu können Change Agents als Experten für die digitale Transformation eingesetzt werden. Change Agents sind institutionalisierte Vorbilder. Sie nutzen neue Plattformen als erste und stehen bei Veranstaltungen, in Videos oder im zwischenmenschlichen Kontakt für den Wandel ein. Sie sind gleichzeitig Experten und Kollegen. Bei ihnen können Mitarbeiter ihre Ängste und Verbesserungsvorschläge adressieren.

Auch bei der Einbindung der Mitarbeiter kann die Kommunikation vorangehen. Sei es durch Unterstützung bei der Identifizierung und Entwicklung von Themen oder der Social-Media-Kommunikation. Dabei kann die Unternehmenskommunikation nicht nur inhaltlich Hilfestellung geben, sondern auch technisch. Mit einer Schreibwerkstatt für Tweets und Blogposts und einer nachvollziehbaren Redaktionsplanung kann sie die digitale Fitness der Mitarbeiter befördern.