Von gelungener Polizeikommunikation und dem Ende der Kommunikationspolizei

Video-Dreh mit Telekom-Kommunikationschef Philipp Schindera bei der Polizei Frankfurt I Foto: Christoph LautenbachVor kurzem entbrannte auf Twitter eine Diskussion über die Rolle der Unternehmenskommunikation in der Digitalisierung. „Aus für ‚Kommunikationspolizei‘ in Unternehmen“ twitterte fischerAppelt-Mann Frank Behrendt und nahm damit einen Blogbeitrag zur Polyphonie in der Unternehmenskommunikation auf. 40 Retweets und über 50 Likes später war der Hashtag #Kommunikationspolizei geboren. Doch was hat die Zukunft der Unternehmenskommunikation mit der Polizei zu tun?

Anstoß zur Diskussion gab ein Zitat von Philipp Schindera, Chef-Kommunikator der Deutschen Telekom, im PR Magazin. Laut Schindera hat die Unternehmenskommunikation nicht mehr die alleinige Kommunikationshoheit im Unternehmen, denn in Zeiten von Social Media kommunizieren alle Mitarbeiter. Der Polizist ist ein Symbol für die „alte Schule“ der Kommunikatoren. Der Pressesprecher, der mit erhobenem Zeigefinger darüber wacht, wer was nach außen kommuniziert. Dieses Rollenbild hat in Zeiten der Digitalisierung ausgedient. Der Meinung war auch die Twitter-Gemeinde.Philipp Schindera prägte das Bild der Kommunikationspolizei im Interview mit dem PR-Magazin I Quelle: Twitter, @frankzdeluxe

Die Polizei greift ein

In die Twitter-Diskussion waren inzwischen auch Script-Geschäftsführer Sascha Stoltenow und Wirtschaftswoche-Redakteurin Claudia Tödtmann eingestiegen. Ihren Höhepunkt erreichte die Diskussion jedoch, als sich die Polizei Frankfurt einschaltete. Auf den Tweet „Der Kommunikationspolizist geht in den Ruhestand“ konterte sie: „Wir sind gekommen, um zu bleiben“. Ein starkes Beispiel für eine spontane, authentische Kommunikation. Es zeigt, wie sich Kommunikation verändert hat – von der klassischen Pressearbeit über traditionelle Gatekeeper zur direkten Interaktion mit den Anspruchsgruppen.

Die Polizei Frankfurt meldete sich in der Diskussion zu Wort I Quelle: Twitter, @Polizei_Ffm

Das sieht auch Philipp Schindera so. Wir trafen ihn vor dem Polizeirevier in Frankfurt, um über die Zukunft der Unternehmenskommunikation zu sprechen. Wir kamen mit drei Fragen und gingen mit einer Erkenntnis: Kommunikation war nie dynamischer, schneller und unmittelbarer als heute. Der Weg zum Millionenpublikum via Social Media führt beispielsweise Mitarbeiter nicht mehr über die Pressestelle eines Unternehmens. Was für viele Kommunikatoren ein Alptraum ist, ist für Philipp Schindera die neue Realität. Eine Realität, die auch zukünftig noch Kommunikationsexperten braucht – nicht mehr als Polizisten, aber als Geschichtenerzähler, Ratgeber, Krisenmanager und Befähiger.

Digitale Verantwortung als gesellschaftliches Thema

Das Gespräch mit Philipp Schindera entstand im Rahmen der Kampagne zur „Digitalen Verantwortung“. Die Deutsche Telekom geht darin den Chancen und Risiken der Digitalisierung auf den Grund. Antworten findet sie im Dialog mit namhaften Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Die Notwendigkeit eines breiten gesellschaftlichen Dialogs begründet CEO Timotheus Höttges so: „Taumeln wir lieber nicht in die Digitalisierung, sondern nutzen die Zeit für die Diskussion einer digitalen Verantwortung“. Was für die Gesellschaft im Großen gilt, kann im Kleinen auch für die Kommunikation gelten. Also: Taumeln wir lieber nicht in die Zukunft der Unternehmenskommunikation. Nutzen wir lieber Diskussionen, wie die über die Kommunikationspolizei, um die Unternehmenskommunikation zukunftsfähig zu machen und ihre neuen Rollen zu schärfen.