Kommunikationskongress 2016: Die Kraft gelebter Kollaboration

Impressionen vom Kommunikationskongress 2016 I Foto: Quadria Media/Laurin Schmid/Julia Nimke/Kasper Jensen

Agiles Arbeiten, New Work, Enterprise 2.0 – in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung gewinnt organisations- und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung. Die Geschwindigkeit des Wandels ist rasant, der Innovationsdruck ungebremst. Unternehmen setzen daher zunehmend auf die Kraft kollektiver Intelligenz. Denn die beste Lösung entsteht meist aus der sinnvollen Verknüpfung einer Vielzahl von Ideen. Das Fokusthema „Kollaboration“ wurde auf dem #kk16 in verschiedenen Diskussionsformaten und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Was nehmen wir mit?

Die Voraussetzungen – Was braucht es für gelebte Kollaboration?

Klar ist: Kollaboration braucht Kommunikation, denn Zusammenarbeit bedeutet Austausch und Diskussion. In den prominent besetzen Keynotes des Kongresses klangen zentrale Voraussetzungen an, die für eine erfolgreiche Kollaboration in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft erfüllt sein müssen. Diese lassen sich auch auf die Zusammenarbeit in Unternehmen übertragen. Für Professor Dirk Helbing von der ETH Zürich ist ein neuer Steuerungsansatz notwendig: Demokratie 2.0, in der Verantwortung, Kontrolle und Mitbestimmung gleichmäßig verteilt werden. Für Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft IG BCE, braucht es mehr „Vertrauensräume“. Nur wenn es „geschützte“ Orte gibt, an denen sich Mitarbeiter auch konträre Meinungen sagen können, sind sie in der Lage, gemeinsam die beste Idee zu finden. Für den Pionier kollaborativen Denkens, Jimmy Wales, sind es nicht zuletzt klare Regeln und Guidelines – wie die von Wikipedia – die Kollaboration überhaupt erst ermöglichen.

Die Akteure – Welche Rolle haben Kommunikatoren in der kollaborativen Organisation?

Diskussionsrunde mit (v.l.n.r.) Oliver Santen, Dr. Christian Lawrence, Dr. Jörg E. Allgäuer und Moderator Nico Kunkel I Quelle: Twitter, @brainscriptDie Diskussionsrunde mit Munich Re-Kommunikationschef Dr. Christian Lawrence, Oliver Santen, Leiter Media Relations bei Siemens, und Dr. Jörg E. Allgäuer von Sky Deutschland war sich einig: Um die Kraft der Kollaboration im Unternehmen freizusetzen, müssen die Wissensträger im Unternehmen dazu befähigt werden. Das ist eine zentrale Aufgabe der Kommunikatoren.

Um diese noch besser erfüllen zu können, hat die Munich Re den klassischen Pressesprecher abgeschafft – stattdessen gibt es heute „Influencer Consultants“, die für den Beziehungsaufbau zu den relevanten Multiplikatoren verantwortlich sind. Die Munich Re unterscheidet dabei zwischen Kommunikatoren, die Experten und Themen im Unternehmen aufspüren und Kommunikatoren, die den Content aussenden. Diese geteilte Aufgabe zeigt: In Zeiten der Digitalisierung sind Netzwerke wichtiger denn je – nicht nur mit Experten im Unternehmen, sondern auch mit wichtigen Meinungsmachern außerhalb des Unternehmens. Das erfordert ein Umdenken von Kommunikatoren. Das war auch eine der Hauptbotschaften von Telekom-Kommunikationschef Philipp Schindera. Er forderte das „Ende der #Kommunikationspolizei“ und beschrieb damit eine neue Haltung: von analog zu digital, von Kontrolle zu Befähigung, von starr zu flexibel, von bedacht zu agil, von Hierarchie zu Vernetzung und von Herrschaftswissen zu Transparenz.

Telekom-Kommunikationschef Philipp Schindera fordert das Ende von Kontrolle und Herrschaftswissen I Foto: Lena Schneider

Das Fazit – Haltung, Anreize und Plattformen sind die Grundlage

Kollaboration ist also vor allem eine Frage der Haltung. Um das erforderliche Umdenken zu beschleunigen und Zusammenarbeit zunehmend zu forcieren, setzt Siemens auf Incentives, Munich Re auf Ambassador Programme. Zudem erfordert kollektives Arbeiten entsprechende Kollaborationsplattformen – bei der Telekom ist das die „Content Factory“, bei Microsoft das „Content Studio“. Das Ziel ist dasselbe: Alle internen und externen Medien, Kanäle und Themen zu integrieren und alle an der Content-Produktion Beteiligten an einen Tisch zu holen. Dabei wird klar: Kollaboration ist vielmehr ein Zielbild als ein Zustand. Um diese zu erreichen, sind Prozesse anzustoßen und voranzutreiben – im Unternehmen und wie auf dem Kommunikationskongress 2016. Unser Eindruck: Die Unternehmenskommunikation steht dabei noch ganz am Anfang.