Ist Moderation die neue Schlüsselkompetenz für Kommunikatoren?

Der Kommunikator als Moderator | www.pixabay.com

Von der Kommunikationspolizei zum Prozessunterstützer, Coach und internen Berater – Die Rolle der Kommunikationsfunktion in Organisationen wandelt sich. „Die Zeiten des Megaphons sind vorbei“, sagt Andreas Winiarski, Managing Partner bei Hering Schuppener. Heute findet mit Stakeholdern ein Austausch auf Augenhöhe statt. Bei diesem Dialog ist eine Aufgabe zentral: das Moderieren verschiedener, teils gegensätzlicher Interessen.

Kommunikation wird demokratischer. Die Zahl der Beteiligten nimmt zu. Über die sozialen Medien haben – zumindest theoretisch – alle Teil an öffentlichen Debatten. Und diese Möglichkeit wird zunehmend wahrgenommen und eingefordert. Das hat Folgen für die Unternehmenskommunikation: In der internen und externen Kommunikation gibt es einen Trend zur Partizipation und Mitbestimmung. So werden beispielsweise Mitarbeiter bei der Planung und Umsetzung von Kommunikation einbezogen und bei Großprojekten Bürgergruppen beteiligt. Dabei prallen häufig unterschiedliche Meinungen aufeinander.

Doch nicht nur die Kommunikation verändert sich. Durch die Digitalisierung werden Abteilungen und ganze Unternehmen gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu hinterfragen und Strukturen und Abläufe weiterzuentwickeln. In Arbeitsmeetings oder Workshops werden Varianten entwickelt, durchgespielt und ausgewählt. Diese Prozesse kann die Unternehmenskommunikation gestalten.

Neue Rolle, neue Aufgaben

Die Unternehmenskommunikation ist die Kommunikationsfunktion der Organisation und hier liegt ihre besondere Stärke: Sie hat die 360 Grad Perspektive auf alle Stakeholder. Intern hat sie die Stimmung der Mitarbeiter im Blick. Extern beobachtet sie die Entwicklung von Trends und Einstellungen. Sie hat immer ein aktuelles Themen- und Meinungsbild. Das ist die Grundvoraussetzung für ihre neue Rolle als Moderator. Der Unternehmenskommunikation kommt die Aufgabe zu, zwischen Unternehmen und ihren Stakeholdern, unterschiedlichen Unternehmensbereichen oder den Mitarbeitern einer Abteilung zu vermitteln. Sie hilft, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen, sich auszutauschen und Kompromisse zu finden. Statt Informationen zu senden, werden Meinungen aggregiert und ein Dialog geführt.

Kommunikatoren sind gefordert, diese Kommunikationsprozesse zu planen und umzusetzen. Dabei geht es darum, einen Austausch zu gestalten. Häufig muss jedoch Kommunikation überhaupt erst ermöglicht werden. Dazu gehört es beispielsweise, Hierarchien abzubauen und die Beteiligten zu befähigen, sich in den Prozess einzubringen.

Vom Pressesprecher zum Businessmoderator

Um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden, müssen Kommunikatoren ihre Fähigkeiten weiterentwickeln. Das heißt, sie müssen lernen, die unterschiedlichen Interessen verschiedener Gruppen so zu moderieren, dass beispielsweise eine Entscheidung getroffen oder ein Konflikt gelöst wird – kurz Businessmoderation. Hier geht es, anders als bei der Moderation von Veranstaltungen oder im Radio und TV, um das Erreichen konkreter unternehmensbezogener Ziele: eine Strategie beschließen oder Botschaften definieren. Dafür muss das richtige Format und die passende Methode gewählt werden. Der Moderator selbst muss Moderations- und Fragetechniken beherrschen. Rhetorik und eine entsprechende Haltung sind weitere notwendige Kompetenzen.

Es zeigt sich also, dass Moderation eine neue Schlüsselkompetenz ist. Diese birgt für die Unternehmenskommunikation die Chance, die eigene Position im Unternehmen zu stärken: Indem sie intern Dialoge anstößt und Prozesse gestaltet. Indem sie extern nicht nur Informationen aussendet, sondern einen Austausch unterschiedlicher Interessen herbeiführt. Das so gewonnene Wissen bildet die Grundlage, um das Management zu beraten und Einfluss auf zentrale Unternehmensentscheidungen zu gewinnen.