re:publica 17: Werdet lauter!

Impressionen der re:publica 17 I Foto: Lena Schneider

„Worte haben eine Wirkung, Debatten haben eine Macht“ – mit diesen Worten appellierte Sascha Lobo in seiner „Rede zur Lage der Nation“ an die Teilnehmer der re:publica 17. Ein Aufruf, um rauszugehen, mitzudiskutieren, der Hetze in den sozialen Medien klare Kante entgegenzusetzen. Das passt zum Motto „Love out loud“. Und zum Anspruch der re:publica: Kämpferisch zu sein. Missstände in der digitalen Gesellschaft anzuprangern. Ein politisches Statement zu setzen. Doch was hat das mit Unternehmenskommunikation zu tun?

Haltung: Klare Kante

Wir haben uns vor dem Besuch der re:publica 17 gefragt, was wir uns von der Digitalkonferenz erwarten. Vorträge wie der von Sascha Lobo haben eine Erwartung erfüllt: Etwas von der Haltung der re:publica zu spüren. Hinter seinem Appell steht die Aufforderung, Stellung zu beziehen, auch zu gesellschaftspolitischen Themen. Kommunikatoren stecken zu sehr in ihrer eigenen Filterblase. Unternehmen kommunizieren, so die Kritik von Ex-IBM-Manager Gunter Dueck, heute zu vorsichtig. Das Bestreben, die verschiedenen Stakeholder gleichzeitig zu adressieren, führt dazu, dass Unternehmenskommunikation immer stärker zu „pathischer, inhaltsleerer Kommunikation“ wird. „Die Unternehmenskommunikation wird weichgespült“, so Dueck.

Mehr Kontext: Kommunikation im gesellschaftspolitischen Fokus

Dabei zeigte die re:publica 17 die größeren Zusammenhänge der Digitalisierung auf – und damit zahlreiche gesellschaftspolitische Themen: Die Wechselwirkungen zwischen Algorithmen, Bots und politischem System. Zwischen Vertrauenskrise, Medienwandel und (digitalen) Filterblasen. Ein beherrschendes Thema dabei: die Glaubwürdigkeitskrise der Medien. Kurz: #FakeNews.

Claus Kleber diskutiert auf der re:publica 17 über Fake News I Foto: Lena Schneider

Für ZDF-Moderator Claus Kleber sind sie mit einer bestimmten Absicht verbreitete „um-zu-Botschaften“. Das ist durch die sozialen Medien in einer neuen Dimension möglich – weil Social Bots Meinung machen und die junge Generation Social Media inzwischen mehr vertraut als den klassischen Medien.

Hinzu kommt für Kleber die mangelnde Medienkompetenz in der Gesellschaft: „Es ist unglaublich, dass wir heute in Deutschland einen Schulabschluss machen können, ohne zu wissen, wie die Medien funktionieren“.  Eine Antwort auf den Umgang mit Fake News derzeit haben weder Kleber, der Journalismus, noch die Unternehmenskommunikation.

Konkrete Impulse: Mehr Fragen als Antworten

Darüber hinaus standen zahlreiche Fragen im Raum, die mit der Unternehmenskommunikation in Verbindung stehen: Bestimmt Facebook unsere Weltsicht? Ist in der neuen Arbeitswelt neben künstlicher Intelligenz noch Platz für den Menschen? Wird der Social Bot den Kommunikator ersetzen? Hier bot die re:publica und die parallel stattfindende „Media Convention Berlin“ spannende Impulse. So bleibt Facebook trotz zahlreicher wissenschaftlicher Versuche, die Algorithmen des sozialen Netzwerks zu kartieren, eine Black Box. Der Mensch im Zeitalter künstlicher Intelligenz dank emotionalem IQ, Neugierde und Kreativität ein wichtiger Faktor. Und der Kommunikator vorerst unersetzbar. Aber wo geht die Reise hin?

Für Kommunikatoren ist die re:publica ein inspirierender Ort – nicht, um auf alles eine Antwort zu finden, aber auf die richtigen Fragen zu stoßen. Fragen, die uns über unseren Arbeitsalltag hinaus beschäftigen. Ein Besuch lohnt sich und das nicht zuletzt, um Kollegen und Freunde zu treffen und sich persönlich auszutauschen. Ganz analog – jeder Trend hat seinen Gegentrend!